Medien und Krieg - Die Bilder jubelnder Palästinenser und andere Manipulationen im 'Krieg gegen den Terror' |
Afghanistan: US-Militärpropaganda mit falschen Bildern Bericht von Jo Angerer und Konrad Ege im WDR-Fernsehen, 'Monitor' am 8.11.2001 Afghanistan in diesen Tagen, kurz vor dem Wintereinbruch. Bilder, die man im US-Pentagon nicht gerne sieht. Zehntausende auf der Flucht, auf der Flucht vor einem Krieg, der längst schon kein Krieg mehr allein gegen die Taliban und die Terroristen ist. Tag für Tag haben diese Menschen Angst, Angst vor neuen Bombenangriffen der Amerikaner. Dabei hatte es doch diese Flugblätter gegeben, abgeworfen von US-Flugzeugen: "Die Staatengemeinschaft ist hier um zu helfen", heißt es auf Englisch und in den Landessprachen. Doch das scheint reine Kriegspropaganda - angesichts der wirklichen Bilder aus Afghanistan. Kein Präzisionskrieg gegen Terroristen sondern Bombenteppiche, die Taliban-Kämpfer genauso treffen wie die Zivilbevölkerung. Wie hier in Kabul zerstören amerikanische Bomben fast schon tagtäglich Dörfer, Krankenhäuser und Lager von Hilfsorganisationen. Es sind Fernsehbilder wie diese, aufgenommen von einem westlichen Kamerateam, die die Weltöffentlichkeit zunehmend zweifeln lassen am Sinn des Afghanistan-Krieges. Das Märchen vom Präzisionskrieg gegen den Terror verfängt nicht mehr, so der amerikanische Medienkritiker John MacArthur. John MacArthur, Medienkritiker: "Als Resultat ihrer Propaganda muss die US-Regierung jetzt Beweise liefern, dass der Krieg effektiv ist, dass die Bomben die richtigen Leute töten, dass Terroristen-Nester ausgeräuchert werden, dass Flugzeuge zerstört werden, usw. Wenn sie diese nicht liefern, dann wird die Propaganda weniger effektiv werden." Pressekonferenz im amerikanischen Verteidigungsministerium. Es ist der 12. Oktober, tägliche Routine, gleichermaßen für die Journalisten und die Pentagon-Generäle. Auch an diesem Tag gibt es nur Erfolgsmeldungen. General Richard B. Myers, US-Verteidigungsministerium, 12. Oktober 2001: "Wir haben gute Fortschritte gemacht. Haben Terroristen-Trainingslager zerstört oder beschädigt, Kommunikationslinien unterbrochen. Wir haben die Taliban-Truppen in Afghanistan geschwächt und ihre Luftabwehr beschädigt." Militärische Erfolge. Zum Beweis: dieses Video.
Tim Brown, Global Security: "Sie können einige Transportflugzeuge sehen. Das erste Video zeigt, dass zwei dieser Flugzeuge zerstört wurden." Die Zerstörung von Transportflugzeugen der Taliban. Eindeutig ein militärischer Erfolg? Was zeigt das Video wirklich? Hier in Alexandria, Virginia, arbeitet einer der führenden Spezialisten für Satelliten-Fotos. Tim Brown vergleicht das Pentagon-Video mit einem Satelliten-Bild, das im April 2000, also rund ein Jahr zuvor, aufgenommen wurde. Tim Brown, Global Security: "Sie sehen hier ein Satelliten-Foto von Kabul, das 2000 gemacht wurde, ein Jahr vor dem Krieg. Das einzige Foto von Kabul, das wir hier haben. Sie sehen in der oberen Ecke des Flugplatzes drei Flugzeuge, die schrottreif sind. Das ist quasi der Flugzeugfriedhof. Mir war aufgefallen, dass das Video von der Pentagon-Pressekonferenz diesem Foto sehr ähnlich ist. Ich habe dann beide Bilder verglichen: Getroffen wurden eben diese Flugzeuge, die hier seit über einem Jahr schon stehen. Sie sind identisch."
Kein militärischer Erfolg der Luftangriffe also, das beweist der Vergleich des Pentagon-Videos vom 12. Oktober mit dem Satelliten-Foto vom April 2000. Bombardiert wurde ein Haufen alter Flugzeugschrott. Das Satelliten-Foto entlarvt eine Kriegslüge. Dieser Satellit mit Namen IKONOS, hier im Trick, hat das Bild aufgenommen. IKONOS funkt weltweit die detailgetreuesten Aufnahmen von Afghanistan nach Denver, Colorado. Hier vertreibt die Firma 'Space Imaging' exklusiv die Bilder. Derartige Aufnahmen könnten wichtige Beweismittel sein, nicht nur für Journalisten. Doch genau das will die US-Regierung verhindern. Deshalb hat sie jetzt mit der Firma diesen Vertrag abgeschlossen, der MONITOR vorliegt. Hier heißt es: "Space Imaging wird Satelliten-Bilder (...) der beschriebenen Gebiete nicht verkaufen, verbreiten, herausgeben, zur Verfügung stellen oder mit Dritten teilen." Rund zwei Millionen Dollar pro Monat zahlt die US-Regierung für dieses unbegrenzte Informationsmonopol. Christopher Simpson, Kommunikationswissenschaftler: "Wie uns das Pentagon informiert, das ist eine kalkulierte Anwendung dessen, was man als 'Informationskrieg' bezeichnet. Dessen Ziele sind die amerikanische Öffentlichkeit und die Menschen in den verbündeten Staaten. Dieser Informationskrieg hat auch andere Aspekte. Man beschränkt den Zugang zu Informationen, verbreitet nur bestimmte Nachrichten. Man präsentiert ausgewählte, wirkungsvolle Bilder. Dahinter steckt eine Strategie." Amerikas "Krieg gegen den Terror" in Afghanistan. Ein Krieg, der ganz anders sein sollte als alle bisherigen Kriege. Und der doch genauso ist wie jeder Krieg: grausam, schmutzig und voller Kriegslügen. Quelle: http://www.wdr.de/tv/monitor/beitraege.phtml?id=359 |
Weiterer Beitrag zu den Bildern jubelnder Palästinenser und anderen Manipulationen: |
Krieg um die Köpfe - Die Medien nach den Terroranschlägen Material aus und zu einer Sendung im WDR-Fernsehen am 24. September 2001 |
Alle Beiträge zu den Bildern jubelnder Palästinenser und anderen Manipulationen im Überblick: |
Krieg um die Köpfe - Die Medien nach den Terroranschlägen Material aus und zu einer Sendung im WDR-Fernsehen am 24. September 2001 |
Die Presse als Teil der Propaganda-Maschinerie Ein Beispiel: 'Express' vom 12. September 2001 |
Zur Rolle des Fernsehens in der Kriegspropaganda Redebeitrag auf der Bremer Demonstration am 22.9.2001 |
Die Infragestellung eines Details Betrachtungen zur Manipulation mit den Bildern jubelnder Palästinenser |
Afghanistan: US-Militärpropaganda mit falschen Bildern Bericht von Jo Angerer und Konrad Ege im WDR-Fernsehen, 'Monitor' am 8.11.2001 |